„Kunst in der Kammer“
creativ-Werkstatt-Projekt - Helga Haring-Knolle (Aschersleben)
Keramik-Werkstatt-Projekt der Aschersleber Künstlerin Helga Haring-Knolle mit Kindern der Christlichen Grundschule und der Adam Olearius Sekundarschule Aschersleben. Motto: „KINDER-KUNST-(T)RÄUME“. Bespielung einer Kunstkammer mit von den Kindern hergestellten Figuren, Plastiken und Ornamenten (Wandplatten, Igel, Eule, Bodenblumen, Großblume). Eine gekonnte Integration in die vorhandene Vegetation ist vorgesehen. Zusammen mit der „Wunderblume“ – einen gemeinsam mit allen Kindern gestalteten Werk – soll an die Vielfalt in der Natur vorkommender Wunder in der Pflanzen- und Tierwelt erinnert werden. Haring-Knolle und die Kinder verweisen damit indirekt auf die Sammlungstätigkeit Friedrich III. von Schleswig-Gottorf und deren Ausstellung in der von Olearius betreuten "Kunst- Und Wunderkammer“. Sammelleidenschaft pur!
Kunst- und Wunderschrank – Franckesche Stiftungen zu Halle & Burg Giebichenstein Halle
Im Stadtpark wird an das wissenschaftliche Wirken von Adam Olearius (1599-1671) erinnert. Olearius war am Hof Herzog Friedrich III. zu Gottorf u.a. für die "Kunst- und Naturalienkammer" zuständig. Die Kammergärten entlang der Friedhofsmauern des Stadtparks erinnern an diesem Umstand. Es sind kleine Gärten entstanden, die das Thema "Kunst- und Naturalienkammer" gezielt aufgreifen. Dazu gehört auch der Garten mit den "Kunst- und Wunderschränken" im südlichen Stadtpark. Er nimmt sich dieses Themas besonders deutlich an.
In den Franckeschen Stiftungen zu Halle befindet sich die einzig vollständig erhaltene Kunstkammer in Europa – ein sachsen-anhaltinisches Kunst- und Kulturobjekt erster Güte. Die Aufnahme in die Weltkulturerbeliste ist für 2013 geplant. Zwei der Wunderkammerschränke der Franckeschen Stiftungen sind für uns nachgebaut worden. Sie stehen für die Zeit der 3. Gartenschau des Landes Sachsen-Anhalt im Stadtpark Aschersleben.
StudentInnen der Burg Giebichenstein – einzige Kunsthochschule Sachsen-Anhalts – haben sich während des Wintersemesters 2009/2010 dem Thema "Kunst- und Kuriositätenkammer" bzw. "Kunst- und Naturalienkammer" auf künstlerischer Ebene gewidmet. Die Keramikklasse und die Klasse für Glasgestaltung wurden aktiv. Das Ergebnis des künstlerischen Schaffens können Sie in den nachgebauten Kunst- und Wunderschränken des Stadtparks "bewundern". Die Exponate werden während der Gartenschauzeit 3 x gewechselt.
H A R M O N I E D E R E L E M E N T E
Feuer, Wasser, Erde, Luft – schon die griechischen Philosophen haben sich Gedanken zu den vier Grundelementen gemacht. Über Ägypten und den arabischen Raum erfuhr Westeuropa zu hochmittelalterlichen Zeiten davon. Karin Günther, Keramikerin aus Berlin und unter dem Markennamen Ammonit-Ceramic arbeitend, hat vier röhrenförmige, zwischen 1,60 und 2,20 m hohe Terrakotta-Stelen geschaffen. Sie symbolisieren die vier Elemente. Die Feuerstele fällt durch eine rot-flammende, züngelnde Form auf, die Wasserstele dagegen durch blaue, sich scheinbar nach unten bewegende Formen. Die Luftstele kommt durchbrochen, fast durchsichtig daher, während die Stele für das Element Erde tonigen Farben den Vorzug gewährt und Strukturen aufweist, die fern an Erdbewegungen erinnern. Letztere ist die einzige Stele, die bepflanzt ist. Alle anderen Stelen stehen für sich allein. Einerseits benötigen Pflanzen zum Wachsen Nahrung aus der Erde, dem Wasser, der Wärme und der Luft. Andererseits sind die Stelen, die formal die vier Elemente symbolisieren, während ihres Schaffensprozesses massiv diesen Elementen ausgesetzt: Ton ist Bestandteil der Erde, Wasser ist im Ton enthalten, Luft trocknet den Ton und Feuer gibt ihm erst Haltbarkeit. So schließt sich der Kreis…
O L E A R I U S´ S C H A T Z
In den beiden DGGL-Gärten (Deutsche Geselllschaft für Gartenkunst - und Landschaftskultur e. V.) treffen die Besucher auf stark vergrößerte Fruchtstände oder Blütenformen von Pflanzen. Die Lust und Begierde vom Sammeln und Aufbewahren wird mit ihnen thematisiert. Adam Olearius (1599-1671), der Pflanzensammler und Weitgereiste, der es verstand, sowohl seine Erlebnisse als auch wissenschaftlichen Beobachtungen und Erkenntnisse niederzuschreiben und zu publizieren, steht Pate für eine Reise zu den wahren Schätzen der Pflanzen, den Samen. Hochaufragende, hell leuchtende Samenstände, geformt aus weißer Keramik, sitzen auf braunen Metallstängeln und wiegen sich mit dem Gräserfeld im Wind. Einige der Samen können vom Steg aus berührt werden, andere hingegen scheinen unerreichbar. Der Steg führt an der Rückseite aus dem Garten heraus und quert einen weiteren Raum mit den Vier-Elementen-Keramikstelen von Ammonit-Ceramik. Danach taucht man in einen zweiten Garten ein. Dort erwartet ihn eine Art Kästchen, oder eine Schatulle, in der die Gegenstände wie in Watte gepackt in der Staudenpflanzung liegen oder sich auf den kleinen Platz schieben. Bei den Gegenständen handelt sich um 1000-fach vergrößerte, aus Holz geschnitzte Pflanzensamen. Sie werden in dem Garten aufbewahrt. Die Größenverhältnisse entsprechen dabei denen in der Natur, so dass Größen- und Strukturunterschiede besonders ins Auge fallen.
Gefertigt wurden die Riesensamen von der Hallenser Keramikerin Marie-Luise Meyer. Sie gewann 2009 den Kunstpreis des Landes Sachsen-Anhalt. Der Hallenser Bildhauer Peter Öckel fertigte die Frucht- und Blütenstände aus Eichen- und Robinienholz. Beide sind Absolventen der Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein in Halle/Saale.