Nach den Entwurfsplanungen des Berliner Büros sinai. bleiben die Grundstrukturen der Herrenbreite erhalten: die rahmenden Promenaden und die querenden Wegeachsen mit ihren Alleebepflanzungen. Aus ihnen ergeben sich acht Felder, die entweder „aktiviert“ werden oder in sich ruhen. So entsteht innerhalb des historischen Rahmens ein zeitloser Stadtpark zum Spielen, Bewegen, Entspannen und Flanieren.
Während und nach der Landesgartenschau 2010 wird der Park erstmals eingefriedet und erhält damit einen unabdingbaren Schutz für die hochwertigen Bepflanzungen und Installationen.
Der Entwurf greift den ursprünglichen Schmuckcharakter der Promenaden wieder auf: Die Prachtpromenade mit Wechselflor und Sommerblumen im Westen, die Staudenpromenade im Süden, die Schattenpromenade mit Schattenstauden und Hecken im Osten sowie die Strauchpromenade im Norden. Die Lindenreihen der äußeren Promenaden bleiben ebenso erhalten wie die Alleebäume an den Diagonalwegen.
Durch das Wegesystem wird der grüne Innenraum der Herrenbreite in acht Segmente geteilt. Drei dieser Segmente werden funktional und gestalterisch erneuert. Auf dem Feld des Spiels finden sich vier Spielstationen, den „Spielolearien“. Das Feld der Ruhe hält schattige Sitzplätze bereit, das Mineralische Feld lädt zum Verweilen im Biergarten ein. Die verbleibenden fünf Segmente sind ruhige, offene Rasenräume mit üppigen Wechselflorbepflanzungen.
Auf dem „Feld des Spiels“ können die Kinder auf den vier Themenspielplätzen Adam Olearius auf seiner Persischen Reise begleiten. Das erste Spielolearium ist der beschwerlichen Querung des Elbrus, dem höchsten Berg am kaspischen Meer, gewidmet. Klettern, Klimmen und Rutschen steht auf diesem Olearium im Vordergrund.
In den sagenhaften Orient werden die kleinen Gäste auf dem Feld „Persischen Karawanserei“ entführt. Hier können sie, wie auch schon Adam Olearius, eine Herberge in der Oase entdecken.
Um einen zentralen Hof sind verschiedene Spielräume in unterschiedlichen Ebenen angeordnet, die zum Tollen und Toben einladen. Eine Sand-Matsch-Spielfläche im Hof ist das zentrale Spielelement.
Das Spielelement der „Wolgawälder“ erzählt von der ersten Reiseetappe Adam Olearius auf seiner Persischen Reise. Zwischen Birkenstelen und Matroschkas befinden sich die Spielelemente, an denen Kinder hangeln, schaukeln oder balancieren können.
Der „Schiffbruch bei Derbent“ erzählt mit schiffförmigen Kletterelementen von der Sturmkatastrophe im Kaspischen Meer, der Adam Olearius nur knapp entkam.
Das neunte Segment ist das Zentrum der Anlage, bislang ein Springbrunnen der 60er Jahre. Er wird durch ein spektakuläres Fontänenfeld ersetzt, das den gestalterischen Höhepunkt der Herrenbreite darstellt.
REISEN, REISENDE UND KOSMOPOLITEN: INSPIRIERT VON ADAM OLEARIUS
Es ist die große persische Reise des Adam Olearius, die die Gestaltung der Herrenbreite prägt. Während im Stadtpark die wissenschaftliche Welt des Olearius landschaftsarchitektonisch aufgegriffen wird, richtet sich der Blick in der Herrenbreite auf den frühen Weltreisenden.
Die Reise und das Reisen, die Sehnsucht nach der Ferne und der Welt werden zur thematischen Klammer. Die in den Feldern dominierenden Ahorne und Gräser lernt der Besucher als pflanzliche Weltbürger kennen. So werden die heimischen Berg-, Feld- und Spitzahorne durch Arten aus Nord- und Mittelamerika, Nordafrika und Asien ergänzt. Auch Gräser aus aller Welt wachsen dann auf der Herrenbreite.
Entlang der Promenaden wird der Besucher zu einer Zeit- und Weltreise durch das Reich der Pflanzen und Gärten eingeladen. Eine Gartenschau der besonderen Art präsentiert sich in der östlichen Promenade: Gartenstile aus aller Welt sind hier das Thema.
Die Weltzeituhr aus den 60er Jahren auf der Südwestseite der Herrenbreite bleibt stehen. Sie passt hervorragend in das Gesamtkonzept und vereint die Ferne und das Reisen in einem Bild. Die Uhr erhält einen metallenen Sockel, auf dem eine Weltkarte mit ihren Zeitzonen und den auf der Herrenbreite vorkommenden Pflanzenarten abgebildet ist. Umrundet der Besucher einmal die Uhr, umrundet er damit symbolisch die Welt.